Die Freiheit, nichts mehr zu verlieren zu haben…

Janis Joplin auf US-Marke, herausgegeben am 08. August 2014.

Musikikone Janis Joplin auf US-Marke, herausgegeben am 08. August 2014.

„Freedom’s just another word for nothing left to loose“ singt Janis Joplin in ihrem Hit „Me and Bobby McGee“. Nach einer Affäre mit dem Country-Sänger Kris Kristofferson überlässt ihr der spätere Filmemacher den von ihm geschriebenen Song. „Freiheit, das ist nur ein anderes Wort dafür, nichts zu verlieren zu haben“ – heute steht dieser Ausspruch für den Mythos der Bluessängerin. Die Menschen verbinden damit die selbstzerstörerische Künstlerin, deren Hymnus über den Wunsch eines Mercedes Benz nach über 40 Jahren noch unvergessen ist. Den Erfolg ihres Albums Pearl, auf dem der von Kristofferson geschriebene Song erscheint, der von dem Trip mit Bobby McGee quer durch die USA erzählt, erlebt die Bluessängerin nicht mehr. Sie stirbt einsam in einem Hotelzimmer an einer Überdosis Heroin, oder wie Eric Burdon meinte, an einer Überdosis Janis.

Aufgrund ihres Todes und der Schlagzeilen, die sie im Laufe ihrer Karriere machte, ist das Bild der Musikerin ein sehr einseitiges. Die meisten sehen sie nur als Hippie-Ikone mit der einmaligen, kratzigen Stimme, die sich mit Heroin, Sex und Southern Comfort das Leben ruinierte. Dabei steckte viel mehr hinter der farbigen Sonnenbrille und unter den Federn, die sie sich ins Haar steckte. Obwohl Janis aufgrund ihres Aussehens und ihres Handelns stets provozierte und damit stark und resolut wirkte, verbarg sich hinter der Fassade eine sensible Frau voller Fantasie und Träume. Sie akzeptierte keinerlei Grenzen, die ihre Eltern oder die Gesellschaft ihr aufzuzwingen versuchten. Stets war sie versucht, sich in der Männerdomäne der Rockszene zu behaupten und ihr eigenes Ding durchzuziehen. Ihre Suche nach einer festen Beziehung, die ihr Liebe und Stabilität geben sollte, scheiterte, weshalb sie sich in die Welt des Rock’ n Roll flüchtete. „Oh Lord, would you buy me a Mercedes Benz“ – der Song, indem sie Gott anfleht, ihr einen Mercedes Benz zu kaufen, damit sie mit ihren Porsche fahrenden Freunden mithalten könne, ist der letzte Song, den Janis Joplin kurz vor ihrem Tod am 4. Oktober aufnimmt.


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Der US-amerikanische Postdienst bringt heute zu Ehren der Bluessängerin eine Briefmarke heraus. Das Foto auf der Marke, das David Gahr im Juni 1970 von Janis aufnahm, zeigt die Musikikone mit pinker Sonnenbrille und einem breiten Grinsen. Ihr Name steht in psychedelisch anmutenden Buchstaben über dem Bild der Künstlerin. Die selbstklebenden Marken sind im 16er Kleinbogen zu haben.

Bereits am 13. März würdigte die US-Post die Musiklegende Jimi Hendrix mit einer Briefmarke.

Bereits am 13. März würdigte die US-Post die Musiklegende Jimi Hendrix mit einer Briefmarke.

Janis wächst in einer wohlhabenden, texanischen Familie auf. In der Schule widmet sie sich mit Vorliebe den literarischen und musischen Fächern. Früh entdeckt sie ihre Leidenschaft für die Bluesmusik. Vor allem aufgrund ihres Aussehens bleibt sie in der Schule ein Außenseiter. Mit 16 Jahren schließt sie sich den Beatniks in der Umgebung ihres Heimatortes an. Sie beginnt immer mehr Alkohol zu trinken – meist greift sie zum Whiskeylikör Southern Comfort – und gegen ihre Eltern zu rebellieren. Im Alter von 19 Jahren verlässt sie ihr Elternhaus und geht nach Los Angeles, wo sie sich vermehrt der Musik und dem Drogenkonsum hingibt. Janis bemerkt, wie ihr Leben aus den Fugen gerät und versucht durch die Rückkehr zu ihren Eltern und die Aufnahme eines Studiums zurück in gesittete Bahnen zu gelangen. Auf dem Campus wird ihr eine große Schmach zu teil, als sie zum hässlichsten Mann gekrönt wird. Ihr wird klar, dass dies nicht das Leben ist, das sie führen möchte. Als sie 1966 schließlich das Angebot erhält bei „Big Brother and the Holding Company“ zu singen, kehrt sie nach Kalifornien zurück und lässt das Leben in Texas ein für alle Mal hinter sich.


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Der Erfolg des ersten Albums lässt zunächst auf sich warten. Doch bei dem legendären Auftritt auf dem Monterey Music Festival 1967, auf dem Janis eine in die Musikgeschichte eingehende Version von „Ball and Chain“ präsentiert, bringt der Band den Durchbruch. 1968 erzielt die Band mit dem Album „Cheap Thrills“, das Versionen der Songs „Summertime“ von George Gershwin und „Piece of my Heart“ von Bert Berns beinhaltet, einen weiteren großen Erfolg. Janis stört sich jedoch zunehmend an der fehlenden Professionalität der Band, weshalb sie eine eigene Formation, die Kozmic Blues Band gründet. Bei ihrem Auftritt auf dem Woodstock-Festival 1969 ist sie bereits ein Weltstar. Doch der Ruhm allein kann die innerlich zerrissene Janis nicht glücklich machen. Bekannte und Freunde bekommen stets Kommentare zu hören, die ihre Selbstzweifel ganz klar ausdrücken. Sätze wie „Ich bin so hässlich“ oder „Warum schläft niemand mit mir?“ verlassen vielfach ihren Mund. Doch dann taucht ein Hoffnungsschimmer an ihrem einsamen Horizont auf. Seth Morgan, eine alte Affäre, tritt plötzlich wieder in ihr Leben. Janis ist bereit, ihr Leben für ihn umzukrempeln. Sie spricht von Heirat, Kindern und einem Rückzug aus dem verrückten Musikerleben. Sie will sich auf die Aufnahme von Platten konzentrieren und nur noch selten auftreten. Sie beginnt sogar, vom Heroin die Finger zu lassen. Im August 1970, als die Aufnahmen zu ihrem Album Pearl beginnen, kann sie der Versuchung jedoch nicht länger wiederstehen. Erneut konsumiert sie die gefährliche Droge. Ihren Kollegen und Freunden verspricht sie, es nach den Aufnahmen sofort wieder sein zu lassen. Ihren Freund Seth fleht sie an, er möge sie davon abbringen. Er unternimmt jedoch nichts gegen Janis‘ wiederkehrende Drogensucht. Ein tödlicher Fehler, denn der Stoff, den sie sich am 4. Oktober spritzt, löscht ihren Schmerz und ihr Leben für immer aus.



Ebenso tragisch wie die Geschichte im Song „Me and Bobby McGee“ endet, genauso tragisch endet Janis‘ Leben. Bobby ist es leid, mit seiner Gefährtin durch die Staaten zu trampen und verlässt sie. Daraufhin bleibt sie einsam zurück. Auch Janis ist einsam, als sie sich in ihrem Motelzimmer ihren letzten Schuss setzt. Das flehende Rufen nach Liebe bleibt ungehört, weshalb ihre Sehnsucht nach Wärme und Geborgenheit nicht gestillt werden kann. Die Freiheit, nichts mehr zu verlieren zu haben, ist wohl nichts Wünschenswertes, ruft diese doch nichts als Einsamkeit hervor…


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Verfasst von: Stefanie Dieckmann

2 Kommentare zu diesem Artikel
  1. Jörg at 16:11

    Danke für den schönen Artikel über Janis. Ihre Musik wird ja heute immer noch im Radio gespielt.

    Aber schade, dass immer mehr Postverwaltungen selbstklebende Marken verausgaben. Ich persönlich finde diese nicht nur als Sammler, sondern auch als Postkunde unpraktisch. Mit dem Aufkleben tue ich mich immer schwer. Die Nassklebenden kann man besser handhaben.

  2. Herbert Kaufmann at 14:08

    Zufällig bin ich auf diesen Artikel gestossen. Es ist heir weiter zu lesen dass bereits Jimi Hendrix mit einer Briefmarke gewürdigt wurde. Ich möchte nun wissen ob es noch mehr Woodstock Künstler oder Pop Ikonen gibt denen eine Briefmarke gewidmet wurde. Ich möchte diese unbedingt erwerben. Vielen Dank.

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